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Aktuelles | Wirtschaft | 31.12.2020

Wels ist erste heimische Smart Sustainable City

UNO-Zertifikat für die Stadt Wels

Gemeinsam mit Singapur, Moskau, Montevideo und mehr als 100 weiteren Städten weltweit darf sich WELS nun als erste Stadt in Österreich zu den Smart Sustainable Cities zählen. Diesem Zertifikat der UNO-Organisation ITU und deren United for Smart Sustainable Cities Programm (U4SSC) war ein umfassender Analyseprozess der Experten von Triple-A Analytics vorausgegangen.
Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Wels ist wieder einmal die österreichische Nummer eins! Das UNO-Zertifikat freut mich besonders, da es die erste internationale Auszeichnung für Wels ist. Wir haben uns dafür mit hunderten anderen Städten gemessen. Diese Anerkennung macht deutlich, wie positiv sich unsere Stadt entwickelt. Wir sind auf einem sehr guten Weg, und diesen werden wir konsequent weiter gehen. Wir werden deshalb auch die Chancen, die die Analyse ergeben hat, nutzen und Wels für die Zukunft fit machen.“


Ein Zertifikat, das Anerkennung zollt

UNO-Zertifikat (United for Smart Sustainable Cities – kurz U4SSC). Das ist eine Initiative der Vereinten Nationen (UNO). Zweck ist die Erreichung eines der 17 Ziele der UNO-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, und zwar von Ziel 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“. U4SSC soll als globale Plattform den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) fördern, um den Übergang zu intelligenten nachhaltigen Städten zu erleichtern.
Zuständig ist die UNO-Organisation International Telecommunication Union (ITU): Diese hat bereits in mehr als 100 Städten auf der ganzen Welt U4SSC-Prozesse implementiert. Wels ist nun offiziell die erste Smart Sustainable City in Österreich. Beigetragen haben dazu das Abschneiden der Stadt bei den Kennzahlen (KPI) in den drei übergeordneten Dimensionen Wirtschaft, Umwelt sowie Gesellschaft und Kultur.
Die Ergebnisse zeigen, inwieweit Wels Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in seine öffentliche Infrastruktur und Dienste übernommen hat. Die Stadt kann hier vor allem im Bereich Wirtschaft punkten. Potenzial für Investitionen, Nachhaltigkeitsverbesserung und Integration von IKT besteht etwa bei öffentlichen Verkehrsmitteln, Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, Beschäftigungsindikatoren und Stadtplanung.
Ähnlich gut schneidet Wels im Bereich der Umwelt ab, wobei die meisten Indikatoren für Luftqualität, Wasserqualität, Umweltqualität, Grünflächen, Abfallwirtschaft und Energie die Nachhaltigkeitsschwellen erfüllen. Schließlich ist auch die Mehrzahl der Indikatoren bei Gesellschaft und Kultur betreffend Bildung, Gesundheit, Kultur, Wohnen und Sicherheit im sprichwörtlichen grünen Bereich.
Im U4SSC City Snapshot sind die Resultate für Wels dokumentiert. Dieser ist der erste einer Reihe von U4SSC-Berichten, in denen nun die Ergebnisse der Implementierung der U4SSC-Kennzahlen (KPIs) bewertet und schrittweise ausgearbeitet werden. Diese Berichte (Verifizierungsbericht, Factsheet und Fallstudie) bieten in weiterer Folge nützliche Analysen, umsetzbare Empfehlungen und andere wichtige Erkenntnisse für die künftige Entwicklung der Smart Sustainable City Wels.

Das Ergebnis der Potenzialanalyse
Im Vorfeld hatte die Stadt Wels die Firma Triple-A Analytics GmbH beauftragt, die bestehenden Ertragspotenziale der Stadt und deren zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten zu analysieren und zu bewerten. Das wirtschaftswissenschaftliche Institut hat sich auf das Erkennen und Entwickeln bestehender Ertragspotenziale in Unternehmen, Städten und Gemeinden spezialisiert. Triple-A legt den Fokus nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die zukünftigen Potenziale, die sich aus der detaillierten betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Analyse ergeben.
Neben der erwähnten U4SSC-Evaluierung umfasste die Smart City-Potenzialanalyse von Triple A noch finanzwirtschaftliche, standort-/regionalwirtschaftliche sowie marktorientierte Potenziale, Auswertung und Handlungsempfehlungen sowie Impulsprojekte zur Stadtentwicklung. Die Analyse wurde im zweiten Quartal 2020 begonnen und dann aufgrund der COVID-19-Pandemie erst im dritten Quartal 2020 abgeschlossen. Sie basiert auf Zahlen aus den Jahren 2018 und 2019, weshalb die Auswirkungen der Corona-Krise nicht abgebildet sind.   
Grundsätzlich merkt Triple-A wörtlich Folgendes an: „Die Stadt Wels hat (…) eine stimmige Entwicklungsplanung und -umsetzung betrieben, die sie jetzt fast vollständig im oberen Drittel nach den U4SSC Kriterien positioniert. Diese Position zu halten und auszubauen ist wie bisher durch eine Vielfalt von stimmigen Einzelmaßnahmen zu erreichen (…). Diese Einzelmaßnahmen müssen die Stärken und Chancen nutzen, um Schwächen und die Wirkungen möglicher Risiken zu mindern.“ 


Positiv wird bei der Strategie
und Planung hervorgehoben, dass es in mehreren Bereichen bereits verwertbare Ist-Analysen (etwa im Tourismus, im Sozialbereich hinsichtlich Mitarbeiterzufriedenheit etc.) sowie Leitbilder (Stadtverwaltung insgesamt, Kinderbildungs- und –betreuungs-Einrichtungen etc.) gibt. Diese erscheinen Triple-A manchmal sehr detailliert, was zwar die Verbindlichkeit erhöhe. Eine langfristige Vision mit einer Zielsetzung für die Stadt Wels liege jedoch – zumindest zum Zeitpunkt der Analyse – vorerst nicht vor.
Bei den Finanzen wird der Stadt jedenfalls bis zur COVID-19-Pandemie eine solide, konsolidierende Haushaltpolitik bescheinigt, bei der Verwaltung eine Erhöhung der Effizienz (Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten konnten reduziert werden). Beim Stadtmarketing würden solide Marketingpläne mit klaren Zielvorgaben und definierten Kennzahlen vorliegen. Als großen Erfolg wertet Triple-A die geringen Leerstände in der Innenstadt.
Wels ist laut Potenzialanalyse im Wirtschaftstourismus (Messe, Unternehmen) stark. Beim Freizeittourismus liegt der Fokus auf dem Radrennsport und Tagestouristen, die zum Einkaufen in die Stadt kommen. Im Freizeitbereich gebe es ein gutes Angebot an Sportanlagen, die relative Nähe zur um einiges größeren Landeshauptstadt Linz wirke hier jedoch erschwerend.
Gut gefällt Triple-A
in der Wirtschaft der Branchenmix, der einen robusten Wirtschaftsstandort schaffe, wenngleich derzeit noch relativ wenig „new economy“ vorhanden sei. Freilich würden in diese Richtung die bestehende Fachhochschule sowie - so sie nach Wels kommen sollte - die technische Universität Potenziale eröffnen. Lobend wird im Bereich Bildung & Soziales weiters erwähnt, dass in Wels alle bekannten Schultypen vorhanden sind. 
Hinsichtlich Infrastruktur, Mobilität und ökologische Nachhaltigkeit sieht Triple A die Bereiche Verkehr, Energie, Raumplanung, Telekommunikation, öffentlicher Verkehr und Nachhaltigkeit als Stärken von Wels. Bei der Bevölkerung könne weiteres Wachstum nur durch Zuwanderung erzielt werden, die bestehende und geplante Infrastruktur könne dieses Wachstum (derzeit) aufnehmen. Die Bereiche Integration und Wohnbau (Neubau und Renovierung) werden – so Triple-A – als beständige Aufgaben erhalten bleiben.
Ergebnis SWOT-Analyse
Weiters führte Triple-A für Wels auch eine SWOT-Analyse (Strengths - Weaknesses - Opportunities - Threats) durch. Als Stärken werde dabei die (vor COVID-19) solide Finanzlage, die robuste Wirtschaft mit zahlreichen klein- und mittelständischen Unternehmen sowie einer großen Vielfalt an Branchen, der Status als Messe- und Veranstaltungsstadt und als Bildungs- und Ausbildungsstadt, die funktionierende und derzeit ausreichende Infrastruktur, die gute Aufstellung in der Ökologie sowie die zentrale Lage inmitten des Bundeslandes Oberösterreich gesehen.
Chancen für die Stadt Wels bestehen für Triple-A in den Flächenreserven, in den Gestaltungsmöglichkeiten einer Messe „neu“ (sowohl in inhaltlicher als auch in formaler Hinsicht), in einem weiteren Ausbau des Wirtschafts- und Messetourismus sowie im Kreativpotenzial der Höheren Technischen Bundeslehranstalt, der Fakultät für Technik und Angewandte Naturwissenschaften der Fachhochschule Oberösterreich sowie – falls Wels bei der Bewerbung erfolgreich ist – in der als „Umbrella Universität“ konzipierten Technik-Uni. Auch der finanzielle Gestaltungsspielraum wird als Chance gesehen (wenngleich dieser eventuell durch die COVID-19-Krise eingeschränkt sein könnte).
Die Schwächen von Wels sieht Triple-A in der relativ geringen Qualifikation vieler Arbeitskräfte und in der eher gering vertretenen „new economy“. Weiters gebe es wenig Attraktionen für Freizeittourismus mit Nächtigungen sowie im Bereich Kultur und Freizeit die Konkurrenz zum nahen Linz. Die Risiken liegen laut Triple-A darin, dass mittlere und obere Einkommensschichten verstärkt in Umlandgemeinden ziehen („Suburbanisierung“). Auch der Bereich Integration werde als Herausforderung bestehen bleiben. Weiters behindern die Corona-Einschränkungen die Messeveranstaltungen.
Kommentare aus berufenem Mund
Dr. Stefan Mackowski (Triple A Analytics): „Die Analyse zeigt, dass die Stadt Wels über eine gute Ausgangsbasis zur Weiterentwicklung seiner Position verfügt. Dies insbesondere, wenn man berücksichtigt, dass einige Potenziale aktuell noch nicht systematisch genutzt werden. Insbesondere die Handlungsbereitschaft der Stadtvertreter kann hier den entscheidenden Impuls dazu geben, eine Vorreiterrolle in der Region Hausruckviertel einzunehmen und wichtige Impulse für die Region zu geben. Triple-A vergibt somit das Triple-A Gütesiegel dafür, dass sich Wels der intensiven Evaluierung in den Dimensionen Strategie und Planung, Stadtmarketing und Wirtschaft unterzogen hat.“
Dr. Cristina Bueti (UNO-Organisation ITU): „Die Stadt Wels war aus mehreren Gründen ein guter Kandidat für die Umsetzung der U4SSC-KPIs. Diese historische Stadt ist eines der wichtigsten Handels- und Kulturzentren Österreichs. Seine schöne Umgebung und der Reichtum an Kultur haben Touristen und Besucher aus der ganzen Welt in die Stadt gelockt. Das starke Fundament der Stadt für den Tourismus wird durch eine vielfältige Wirtschaft ergänzt, die aus einem prominenten Dienstleistungssektor sowie Industrie- und Landwirtschaftssektoren besteht. Diese Dynamik hat zu außergewöhnlichen Synergien geführt, die Es Wels ermöglicht haben, Innovation und Transformation voranzutreiben. Die U4SSC-KPIs können der Stadt helfen, ihre Innovationsstrategie zu verfeinern und sie an wichtigen globalen Verpflichtungen wie den Zielen für nachhaltige Entwicklung auszurichten. Deshalb war Wels die ideale Stadt, um die U4SSC KPIs umzusetzen.“


Die Präsentation fand im leider noch geschlossenen WELIOS statt, das bereits die nächste Sonderausstellung ankündigt - hoffentlich ist es bald wieder so weit, denn vor allem für die Jugend ist dieses Haus besonders spannend und zugleich förderlich.
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